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title: "Haus des Fuhrmanns Gahre"
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Haus des Fuhrmanns Gahre
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- Historisches Gebäude

Die Fachwerkhäuser in Wolfenbüttel

Station des 
Christian Heinrich Gahre** unbekannt
Fuhrmann

 Der Aberglaube an den leibhaftigen Teufel war auch in Wolfenbüttel im 18. Jahrhundert noch weit verbreitet. So glaubten manche, dass Lessing, der sich mit den orthodoxen Theologen in seinen religiösen Streitschriften auseinandergesetzt hatte, vom Teufel geholt worden sei.  Die Kinder sangen bei ihren Spielen auf der Straße:  *»De Düwel kam eenmal up Eren Und wull he gern een Blacksmied weern,  Doch harr he weder Tinn noch Messing,  Drum namm he den Professor Lessing.«*  So dachte auch der Fuhrmann Christian Heinrich Gahre, der in dem langgestreckten, niedrigen Haus in der Krummen Straße 60 wohnte und der hin und wieder Lessing mit seiner Kutsche nach Braunschweig fuhr. 

Oft soll er später im Kreise von Freunden und Fremden die unglaubliche Geschichte erzählt haben, wie einmal der Teufel Lessing einen bösen Streich gespielt habe. Zuvor habe er sich aber regelmäßig über des Hofrats Gelehrtheit und die große Zahl der von ihm geschriebenen Bücher verbreitet: *»Tauletzt war hei sau klauk, dat he gar ne nie Bibel eschrebben hatte, da hatten aber de Dübel einen Strich dorchemakt. Et war en paar Jahr vor sinen Dode, da leit de Herr Hofrat minen Vater bestellen, dat hei an nächsten Morgen na Bronswick fahren wolle. Als ick daur bestimmten Stunne vor siner Husdöhr heilt, kam de Herr Hofrat mit einem groten Bauke unter dem Arme herut. »Christian«, segte hei fründlich, »wenn wir nach Braunschweig kommen, dann fährt er direkt nach dem Grauenhofe, ich will zum Herzog«. Damit steg hei in de Kutsche un legt dat Bauk vor sick up den Sitz. Dat war de nie Bibeln, die hei schreben hatte un den Hertoge vorlegen wolle. Die Fahrt ging nu nach Bronswick. De Wagen war ne Halfchaise, so dat wie uns mitenander underholen kunnten. As wie up den Bohlweg annen komen waren, da nam hei den Bibeln von dem Sitze, schlaup se up, bläderte hin un her, un kunne seine eigene Handschrift nich mehr lesen, denn de Dübel harre underdessen lauten Uhlen un Kreihen darut gemacht. Hei war vor Schreck liekenblas worren, schlauk dat Bauk häftig tau un segte: »Heinrich,wende er um, wir fahren sofort nach Wolfenbüttel zurück«. Underwegens sprok hei kein Wort mehr, un so keimen wi vor Mittag wedder tau Huse an.«*  

Vermutlich waren die Blätter der Handschrift durch den Wind durcheinander geraten und auch wohl umgeknickt, was der abergläubige Kutscher für ein Werk von Eulen und Krähen (Uhlen und Kreihen) im Dienste des Teufels gehalten hatte.  

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