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Auf Lessings Spuren

Auf einen Blick

  • Start: Lessingplatz 1
  • Ziel: Kommissstraße 5
  • sehr leicht
  • 2,76 km
  • 40 Min.
  • 2 m
  • 79 m
  • 77 m
  • 20 / 100

Beste Jahreszeit

Auf Lessings Spuren durch die Lessingstadt

Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781), der große deutsche Schriftsteller der Aufklärungszeit, verbrachte sein letztes Lebensjahrzehnt als Leiter der Herzoglichen Bibliothek in Wolfenbüttel.

Hier hat er einige seiner bedeutendsten Werke verfasst, darunter "Emilia Galotti", "Nathan der Weise" und "Die Erziehung des Menschengeschlechts". 

Als er 1770 im Alter von 42 Jahren in Wolfenbüttel eintrifft, ist Lessing bereits ein bekannter Schriftsteller. Seine finanziellen Sorgen sind freilich so groß, dass er die lebenslang gehegten Vorbehalte gegenüber »allem, was einem Amte ähnlich sah«, aufgeben musste. Der Versuch, in Hamburg ein deutsches Nationaltheater zu etablieren war fehlgeschlagen, ebenso die Gründung eines Druckerei- und Verlagsunternehmens. In Wolfenbüttel nun erhält der neu ernannte Bibliothekar eine feste Anstellung, »sechs hundert Thaler Gehalt, nebst freyer Wohnung und Holz auf dem fürstl. Schloße«; er schreibt kurz nach seiner Ankunft: »Ich habe alle Gründe zu hoffen, dass ich hier recht glükklich leben werde«.

Doch Wolfenbüttel ist nach dem Fortzug des Hofes nach Braunschweig 1753 keine Residenzstadt mehr, Handwerker und Kaufleute müssen den Verlust ihrer Kundschaft hinnehmen, die Einwohnerzahl sinkt und Lessing vermisst schon bald die geistreiche Geselligkeit, die er in Leipzig und Berlin, Breslau und Hamburg genossen hatte. Freunde und Bekannte wird er deshalb verstärkt im Kreis der Braunschweiger Gelehrten suchen.  Mehr noch, die Jahre im »verwunschenen« Schloss, dessen einziger Bewohner er ist, machen den Dichter einsam, er neigt zu Melancholie und Bitterkeit.

Persönlich waren die Wolfenbütteler Jahre für Lessing eine ereignisreiche Zeit; so verlebte er hier von 1776 – 77 nach der Heirat mit Eva König und dem Umzug ins Meißnerhaus doch noch das wohl glücklichste Jahr seines Lebens.

Nach dem Umzug der Familie Lessing Ende Dezember 1777 in das Schäffersche Haus – das heutige Lessinghaus – verstarb Lessings Sohn Traugott nur einen Tag nach der Geburt und die Mutter zwei Wochen später dem Kindbettfieber. Beraubt um sein privates Glück und beruflich nach dem wohl folgenreichsten theologischen Disput des deutschen 18. Jahrhunderts, den sogenannten Fragmentenstreit, stand Lessing unter der Zensur. Welche Kraft muss ihm inne gewohnt haben, in dieser Situation zu Ehren seines Freundes Moses Mendelsohn sein Werk "Nathan der Weise" im Sterbezimmer seiner Frau zu schreiben?!

Wer Lessings Wegen in Wolfenbüttel nachgeht, sollte also auch daran denken, dass sich der große Schriftsteller mit der kleinen Stadt lange schwergetan hat – wie umgekehrt auch Wolfenbüttel mit Lessing. Der hier angeregte Gang durch das historische Wolfenbüttel soll etwas von der Vielfalt seiner Bekanntschaften und sozialen Verbindungen zeigen – vom Kutscher, der den Dichter nach Braunschweig brachte, über den Bibliothekssekretär, den Vorgesetzten, Leibarzt, Schachpartner und die wenigen Freunde bis hin zum Pfarrer, der von der Kanzel der Hauptkirche aus gegen den vermeintlichen Freigeist predigt.

Vielleicht führt der Weg durch die Lessingstadt den einen oder anderen ja auch zu den Werken des Dichters. Schon der junge Lessing schrieb: »Wir wollen weniger erhoben / Und fleissiger gelesen seyn.« 

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