Station des Rundgangs "Auf Lessings Spuren" Johann Christoph Meißner 1695 – 1771 Buchhändler
Am Schlossplatz in Wolfenbüttel hatte der aus Hannover stammende Buchhändler Gottfried Freytag 1720 das große Haus für sein Geschäft errichtet und war kurz darauf gestorben. Seine Witwe überließ die Buchhandlung dem um 1695 geborenen, in der Firma tätigen Johann Christoph Meißner. Dieser erwirbt 1721 den Titel eines Hofbuchhändlers.
Es ist die Blütezeit der Residenz, und viele Hofbeamte, die große Privatbibliotheken anlegten, gehören zu den vermögenden Kunden. Die Buchhandlung floriert. Meißner, der jedes Jahr die Messen in Leipzig und Braunschweig besucht, veröffentlichte 1726 – 28 einen zweibändigen Lagerkatalog, den Conspectus Bibliothecae Meisnerianae sive Catalogus Librorum Universalis, der 22.100 Titel verzeichnet und durch 58 Supplemente über viele Jahre fortgesetzt wird. Es war im Buchhandel noch die Zeit des Tauschhandels Bogen gegen Bogen. Daraus ergibt sich die rege eigene Verlagstätigkeit. So setzt Meißner das gelehrte Programm seines Vorgängers fort.
Doch die Zeiten änderten sich, das große Lager wurde ein totes Kapital. Zwar versucht der Buchhändler, durch Bücherlotterien die Einnahmen zu verbessern. Mit dem Fortzug des Hofes 1753/54 und dem Verlust der reichen Kundschaft aber geht es mit der Buchhandlung immer weiter bergab. Mit einem neuen alphabetischen Catalogus Universalis aller Bücher und Schriften, welche in der Buchhandlung Johann Christoph Meißners von dem ersten Ursprunge dieser Handlung an bis jetzt angeschafft sind, veranstaltet Meißner 1768 eine Auktion, die aber nicht den gewünschten Erfolg hat.
Der Buchhändler stirbt 1771, in dem Jahr, in dem der zweite und letzte Band (Buchstaben H-Ma) des Katalogs erscheint. Vermutlich hat sich Meißner noch bei Lessing vorgestellt, denn für das Privileg des Hofbuchhändlers hatte er jährlich Bücher für 20 Reichstaler zu liefern. Drei der Söhne setzten den Handel ohne Erfolg fort. Später wurde die Buchhandlung von Heinrich Georg Albrecht übernommen.
Das stattliche Haus am Schlossplatz 2 ist heute nach dem Buchhändler benannt, erinnert aber vor allem an Lessing, der im Oktober 1776 die erste Etage des Hauses mit seiner jungen Familie bezog und hier, wie es zu Recht heißt, das glücklichste Jahr seines Lebens verbrachte.
